Dieser kurze
Bericht beschreibt die offenen Probleme bzw. die zu erledigenden Hausaufgaben
in Bad Endorf auf treffende Art und Weise. Damit hat sich der Arbeitskreis
"Ortsbild und Infrastruktur" seit mehr als 2 1/2 Jahren beschäftigt.
Es wurde eine spezielle Projektgruppe gegründet um Lösungsvorschläge zu
erarbeiten. Das Konzept liegt seit über 2 Jahren vor. Wie könnte nun eine
Lösung aussehen. Welche Probleme gilt es zu lösen. Unbestritten sind und waren
in allen Diskussionen: 1. es fehlt ein echter Ortskern - ein zentraler Platz,
2. die Bahnhofstraße muss zum Flanieren einladen, 3. es fehlt eine
Verbindung zwischen dem Kurgebiet und dem Ortskern, 4. der Verkehr muss
in Bad Endorf besser fließen und 5. die möglichen Kosten müssten beherrschbar
sein und alle finanziellen Mittel sind zum Wohle der Bürger von Bad Endorf zu verwenden.
Entwickeln
wir dazu eine Vision:
Der Endorfer
Hof steht leer. Nutzen wir dieses wirklich schöne Gebäude. Verlagern wir das
Rathaus in den Endorfer Hof. Eventuell bleibt auch noch Platz für einige Ärzte
oder Advokaten. Ins Erdgeschoss gehört eine einladende Gaststätte mit
Biergarten. Im Nu hätten wir einen belebten Kirchplatz. Kirche und Rathaus an
einem Platz. Ein neuer Ortskern wäre geboren bzw. wiederbelebt. Die nötigen
Parkplätze stehen in ausreichender Anzahl auf dem Theaterparkplatz und
Kirchplatz zur Verfügung. Ein Teil des Zielverkehrs, mit verkehrsbehindernden
Abbiegevorgängen wäre von der Bahnhofstraße genommen.
Die
Bahnhofstraße als Durchgangsstraße sollte wie in den Nachbargemeinden, von
allen Parkplätzen befreit werden. Dazu sollte mittelfristig das Rathaus
weichen. An dessen Stelle brauchen wir einen zentralen Platz mit Parkraum.
Dieser neue zentrale Parkraum ersetzt dann alle Parkplätze entlang der
Bahnhofstrasse. Nun lässt sich die Bahnhofstrasse endlich neu gestalten. Alle
Bürgersteige auf eine Höhe, durchgehend mindestens doppelt so breit wie heute
und dies alles ohne Kanten und Stufen. Kinderwagen und Rollstühle können sich
begegnen ohne sich zu behindern. Die Fahrbahntrasse wird verbreitert. Zwischen
den Fahrbahnen plazieren wir Blumen-Rabatten und Pflanztröge. Diese werden
natürlich für großzügige Überquerungshilfen unterbochen. Eine so gestaltete
Bahnhofstraße - fußgängergerecht, behindertengerecht und bepflanzt - lädt zum
Flanieren ein. Der Wechsel von der einen zur anderen Seite ist ohne Probleme
möglich. In diesem Umfeld haben die gewünschten Geschäfte und Boutiqen
eine reale Chance zu existieren. Der Verkehr kann fließen. Ziel- und
Durchgangsverkehr profitieren. "Stop and Go" durch Ein- und
Ausparkvorgänge gehört der Vergangheit an.
Geht man
einen Schritt weiter und bezieht die heutige Grundschule in das Konzept
"Verlagerung und Schaffen eines Platzes mit Parkraum" mit ein,
entstehen zwei Effekte. Wir bekommen erstens einen neuen Platz, eventuell mit
Kreisverkehr und Brunnen und zweitens reduzieren wir die Spitzenlasten des
Zielverkehrs (Schulanfang und -ende) erheblich.
Das Kurgebiet
liegt außerhalb des Ortskerns. Für unsere Kurgäste sind Anreize zu schaffen, um
einen Spaziergang vom Kurgebiet in den Ort und zurück zu unternehmen. Dazu ist
die Hochriesstraße entsprechend fußgänger- und behindertengerecht auszubauen.
Mögliche Maßnahmen wie breitere Bürgersteige, Verkehrsberuhigung, Tempo 30,
Bepflanzung mit Blumenkübeln, Ruhebänke usw. sind zu realisieren. Der Kurgast
gelangt dann zur Bahnunterführung. Diese muss fußgängergerecht umgestaltet
werden, damit ein sicherer Zugang Richtung Kirchplatz ermöglicht wird. Dort
trifft der Kurgast dann auf "bayrische Tradition". Ein zentraler
Platz mit Kirche, Rathaus und Biergarten, die ihn zum Verweilen einladen
sollen. Über die neugestaltete Bahnhofstraße geht es dann zurück. Entweder
durch die Unterführung am Bahnhof oder über die Bahnbrücke.
Den
Verkehrsfluss in Bad Endorf behindern die Ampel am Kirchplatz, das Ein- und
Ausparken quer zur Fahrtrichtung und das Linksabbiegen. Dies führt zu
"stop and go" auf der Bahnhofstraße. Haben wir an der Kreuzung am
Kirchplatz einen Kreisverkehr, fließt hier der Verkehr. Die Parkplätze quer zur
Fahrbahn sind zu beseitigen und wie oben beschrieben Alternativen zu schaffen.
Ein weiterer Kreisel vor der Raiffeisenbank schafft einen Platz und löst hier
das Problem der Linksabbieger in Richtung "Kurfer Felder/Neue Heimat"
und Kurgebiet.
Sie werden
sich natürlich fragen, wo bleibt die Umgehungsstrasse. Die Antwort ist
verblüffend. Wir brauchen Sie nicht, allenfalls braucht man noch eine
Entlastungs-Achse! Es ist völlig überflüssig, das "Kapital von Bad
Endorf", die schöne Landschaft und den Zugang zur Natur durch eine
Betontrasse einzukreisen und damit zu zerstören. Innerorts wird dadurch kein
Problem gelöst. Wem würde diese Trasse nützen? Nur dem Durchgangsverkehr, also
jedem, der nicht in Bad Endorf bleiben will. Dafür wollen wir nach dem
finanziellen Kraftakt für die Thermen einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag
für eine Umgehung investieren, der dann die Zukunft der Thermen und des
Kurortes endgültig verspielt. Für einen Bruchteil dieser Summe lassen sich
große Teile des Konzepts zum Nutzen des Ortes, seiner Bewohner und seiner
Besucher verwirklichen.
Das Konzept
wurde durch den Sprecher der Projektgruppe, Herrn Rosinger, vor ca. 2 Jahren
dem Hauptausschuss vorgestellt. Insgesamt fand es bei den Fraktionsvorsitzenden
des Marktgemeinderats positives Echo. Einzige Ausnahme bildete der
Bürgermeister, Herr Hofstetter. Heute wissen wir, dass der Bürgermeister nur
seine Umgehungsstraße und eine "Neue Mitte" haben will. Alternativen
werden nicht zugelassen, schon gar nicht diskutiert. Die finanziellen Risiken,
die aktuelle Haushaltslage und der bis heute nicht integrierte Moosbauerplatz
sind für ihn kein Anlass zum Umdenken.
Wie kommt nun
der neue Sprecher des Arbeitskreises Ortsbild und Infrastruktur, Herr Müller,
bei diesem Hintergrund dazu zu behaupten, der Arbeitskreis will unbedingt die
vom Bürgermeister vorgeschlagene Umgehungsstraße? Die von ihm angesprochene
"eingehende Analyse" hat zu ganz anderen Ergebnissen geführt. Der
Verfasser dieses Artikels war im letzten Sommer in seiner Funktion als Sprecher
der Projektgruppe bei einer Sitzung des Arbeitskreises anwesend, auf der über
die Ortsgestaltungssatzung und die Umgehungsstraße abgestimmt wurde. Damals gab
es keine Mehrheit für die Ortsgestaltungssatzung und die Umgehungsstraße. Die
Sitzung wurde daraufhin von Herrn Müller abgebrochen. Interessanterweise erschien
dann ein Protokoll, in dem die Sitzung als "ergebnislos abgebrochen"
dargestellt wurde. Wiedermal ein Fall von "kreativem Umgang mit der
Wahrheit". Aber man ist ja kreativ. Ausschlussanträge, Druck auf
andersdenkende Arbeitskreismitglieder führen irgendwann dann doch zu den
gewünschten Mehrheits- bzw. Abstimmungsergebnissen. Eventuell ergibt sich aus
diesem Hintergrund das Schrumpfen des Arbeitskreises von ehemals 25 aktiven
Mitgliedern auf deutlich unter 10 Mitgliedern.
Natürlich
wird es zu diesem Konzept eine Reihe von Einwendungen geben. Die
Verkehrsplanung war schon in der Vergangenheit ein Thema, das mit vielen
Emotionen diskutiert wurde. Nicht jeder ist bereit, in die gewachsenen
Strukturen, seine bekannte Umgebung und seine Heimat so tief einzugreifen. Es
bedarf des partnerschaftlichen Umgangs miteinander, zum Wohle des Einzelnen und
der Allgemeinheit. Nur wenn alle profitieren, können wir in Bad Endorf positive
Veränderungen gemeinsam erreichen. Die Frage: " Was ist sinnvoller, viele
Millionen dafür auszugeben, dass man schneller an Bad Endorf vorbei fahren kann
oder Teile dieser Mittel für die Lösung der Probleme bürgernah im Ort zu
investieren", muss bei der Diskussion erlaubt sein und beantwortet
werden.