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Umgehungsstrasse, geht es auch ohne oder anders?

von Ulrich Rosinger, ehemaliger Sprecher der Projektgruppe Verkehrskonzept

 

In einem Reisebericht für Oberbayern könnte die folgende Reisebeschreibung stehen:

.... Kommt man nach Bad Endorf aus Richtung Rosenheim fällt als erstes der Endorfer Hof auf. Ein großer stattlicher Gasthof eine ehmalige Kurklinik. Zu dieser Tageszeit ungewöhnlich ruhig. Als nächstes sieht man rechts die Kirche. Dieser gegenüber liegt das nächste große Gasthaus, das Münchner Kindl. Auch hier herrscht ungewöhnliche Ruhe. Fährt man weiter auf der Bahnhofstraße, präsentieren sich einem schmale und breite, hohe und flache Bürgersteige, einige leer stehende Geschäfte, vor allem aber volle Parkplätze. Mal längs, mal quer zur Fahrbahn. Ein- und Ausparken bringt den Verkehr regelmäßig zum Erliegen. Der Ortskern wird von der futuristischen Architektur der Raiffeisenbank beherrscht. Kurz vor dem Bahnhof wird es dann richtig eng. Die Gaststätten und Eisdiele laden zum "drive in" ein. Danach öffnet sich der Blick. Man kommt in das neue Endorf. Ein großzügiger  Busbahnhof liegt hinter dem Bahnhof, ein riesiges Möbelgeschäft mit einer modernen Fassade. Gefolgt von einem Parkplatz, der naturbelassen in seiner Beschaffenheit sich an den Bahngleisen erstreckt. Auf der anderen Straßenseite ein Industriegebiet mit Supermarkt und Baumarkt. Hier pulsiert das Geschäft. Die Atmosphäre wird beherrscht von Werbeplakaten, Sonderangeboten und dem letzten schnellen Einkauf. Die Straße führt nun weiter über eine Bahnbrücke, vorbei am Autohändler mit dem guten Stern und man verlässt Bad Endorf in Richtung Prien. Bad Endorf? Ja wo war das Bad? Das werden wir auf unserer nächsten Tour erkunden....

Dieser kurze Bericht beschreibt die offenen Probleme bzw. die zu erledigenden Hausaufgaben in Bad Endorf auf treffende Art und Weise. Damit hat sich der Arbeitskreis "Ortsbild und Infrastruktur" seit mehr als 2 1/2 Jahren beschäftigt. Es wurde eine spezielle Projektgruppe gegründet um Lösungsvorschläge zu erarbeiten. Das Konzept liegt seit über 2 Jahren vor. Wie könnte nun eine Lösung aussehen. Welche Probleme gilt es zu lösen. Unbestritten sind und waren in allen Diskussionen: 1. es fehlt ein echter Ortskern - ein zentraler Platz, 2. die Bahnhofstraße muss zum Flanieren einladen, 3. es fehlt eine Verbindung  zwischen dem Kurgebiet und dem Ortskern, 4. der Verkehr muss in Bad Endorf besser fließen und 5. die möglichen Kosten müssten beherrschbar sein und alle finanziellen Mittel sind zum Wohle der Bürger von Bad Endorf zu verwenden.

Entwickeln wir dazu eine Vision:

Der Endorfer Hof steht leer. Nutzen wir dieses wirklich schöne Gebäude. Verlagern wir das Rathaus in den Endorfer Hof. Eventuell bleibt auch noch Platz für einige Ärzte oder Advokaten. Ins Erdgeschoss gehört eine einladende Gaststätte mit Biergarten. Im Nu hätten wir einen belebten Kirchplatz. Kirche und Rathaus an einem Platz. Ein neuer Ortskern wäre geboren bzw. wiederbelebt. Die nötigen Parkplätze stehen in ausreichender Anzahl auf dem Theaterparkplatz und Kirchplatz zur Verfügung. Ein Teil des Zielverkehrs, mit verkehrsbehindernden Abbiegevorgängen wäre von der Bahnhofstraße genommen.

Die Bahnhofstraße als Durchgangsstraße sollte wie in den Nachbargemeinden, von allen Parkplätzen befreit werden. Dazu sollte mittelfristig das Rathaus weichen. An dessen Stelle brauchen wir einen zentralen Platz mit Parkraum. Dieser neue zentrale Parkraum ersetzt dann alle Parkplätze entlang der Bahnhofstrasse. Nun lässt sich die Bahnhofstrasse endlich neu gestalten. Alle Bürgersteige auf eine Höhe, durchgehend mindestens doppelt so breit wie heute und dies alles ohne Kanten und Stufen. Kinderwagen und Rollstühle können sich begegnen ohne sich zu behindern. Die Fahrbahntrasse wird verbreitert. Zwischen den Fahrbahnen plazieren wir Blumen-Rabatten und Pflanztröge. Diese werden natürlich für großzügige Überquerungshilfen unterbochen. Eine so gestaltete Bahnhofstraße - fußgängergerecht, behindertengerecht und bepflanzt - lädt zum Flanieren ein. Der Wechsel von der einen zur anderen Seite ist ohne Probleme möglich. In diesem Umfeld haben die gewünschten Geschäfte und Boutiqen eine reale Chance zu existieren. Der Verkehr kann fließen. Ziel- und Durchgangsverkehr profitieren. "Stop and Go" durch Ein- und Ausparkvorgänge gehört der Vergangheit an.

Geht man einen Schritt weiter und bezieht die heutige Grundschule in das Konzept "Verlagerung und Schaffen eines Platzes mit Parkraum" mit ein, entstehen zwei Effekte. Wir bekommen erstens einen neuen Platz, eventuell mit Kreisverkehr und Brunnen und zweitens reduzieren wir die Spitzenlasten des Zielverkehrs (Schulanfang und -ende) erheblich.

Das Kurgebiet liegt außerhalb des Ortskerns. Für unsere Kurgäste sind Anreize zu schaffen, um einen Spaziergang vom Kurgebiet in den Ort und zurück zu unternehmen. Dazu ist die Hochriesstraße entsprechend fußgänger- und behindertengerecht auszubauen. Mögliche Maßnahmen wie breitere Bürgersteige, Verkehrsberuhigung, Tempo 30, Bepflanzung mit Blumenkübeln, Ruhebänke usw. sind zu realisieren. Der Kurgast gelangt dann zur Bahnunterführung. Diese muss fußgängergerecht umgestaltet werden, damit ein sicherer Zugang Richtung Kirchplatz ermöglicht wird. Dort trifft der Kurgast dann auf "bayrische Tradition". Ein zentraler Platz mit Kirche, Rathaus und Biergarten, die ihn zum Verweilen einladen sollen. Über die neugestaltete Bahnhofstraße geht es dann zurück. Entweder durch die Unterführung am Bahnhof oder über die Bahnbrücke.

Den Verkehrsfluss in Bad Endorf behindern die Ampel am Kirchplatz, das Ein- und Ausparken quer zur Fahrtrichtung und das Linksabbiegen. Dies führt zu "stop and go" auf der Bahnhofstraße. Haben wir an der Kreuzung am Kirchplatz einen Kreisverkehr, fließt hier der Verkehr. Die Parkplätze quer zur Fahrbahn sind zu beseitigen und wie oben beschrieben Alternativen zu schaffen. Ein weiterer Kreisel vor der Raiffeisenbank schafft einen Platz und löst hier das Problem der Linksabbieger in Richtung "Kurfer Felder/Neue Heimat" und Kurgebiet.

Sie werden sich natürlich fragen, wo bleibt die Umgehungsstrasse. Die Antwort ist verblüffend. Wir brauchen Sie nicht, allenfalls braucht man noch eine Entlastungs-Achse! Es ist völlig überflüssig, das "Kapital von Bad Endorf", die schöne Landschaft und den Zugang zur Natur durch eine Betontrasse einzukreisen und damit zu zerstören. Innerorts wird dadurch kein Problem gelöst. Wem würde diese Trasse nützen? Nur dem Durchgangsverkehr, also jedem,  der nicht in Bad Endorf bleiben will. Dafür wollen wir nach dem finanziellen Kraftakt für die Thermen einen weiteren zweistelligen Millionenbetrag für eine Umgehung investieren, der dann die Zukunft der Thermen und des Kurortes endgültig verspielt. Für einen Bruchteil dieser Summe lassen sich große Teile des Konzepts zum Nutzen des Ortes, seiner Bewohner und seiner Besucher verwirklichen.

Das Konzept wurde durch den Sprecher der Projektgruppe, Herrn Rosinger, vor ca. 2 Jahren dem Hauptausschuss vorgestellt. Insgesamt fand es bei den Fraktionsvorsitzenden des Marktgemeinderats positives Echo. Einzige Ausnahme bildete der Bürgermeister, Herr Hofstetter. Heute wissen wir, dass der Bürgermeister nur seine Umgehungsstraße und eine "Neue Mitte" haben will. Alternativen werden nicht zugelassen, schon gar nicht diskutiert. Die finanziellen Risiken, die aktuelle Haushaltslage und der bis heute nicht integrierte Moosbauerplatz sind für ihn kein Anlass zum Umdenken.

Wie kommt nun der neue Sprecher des Arbeitskreises Ortsbild und Infrastruktur, Herr Müller, bei diesem Hintergrund dazu zu behaupten, der Arbeitskreis will unbedingt die vom Bürgermeister vorgeschlagene Umgehungsstraße? Die von ihm angesprochene "eingehende Analyse" hat zu ganz anderen Ergebnissen geführt. Der Verfasser dieses Artikels war im letzten Sommer in seiner Funktion als Sprecher der Projektgruppe bei einer Sitzung des Arbeitskreises anwesend, auf der über die Ortsgestaltungssatzung und die Umgehungsstraße abgestimmt wurde. Damals gab es keine Mehrheit für die Ortsgestaltungssatzung und die Umgehungsstraße. Die Sitzung wurde daraufhin von Herrn Müller abgebrochen. Interessanterweise erschien dann ein Protokoll, in dem die Sitzung als "ergebnislos abgebrochen" dargestellt wurde. Wiedermal ein Fall von "kreativem Umgang mit der Wahrheit". Aber man ist ja kreativ. Ausschlussanträge, Druck auf andersdenkende Arbeitskreismitglieder führen irgendwann dann doch zu den gewünschten Mehrheits- bzw. Abstimmungsergebnissen. Eventuell ergibt sich aus diesem Hintergrund das Schrumpfen des Arbeitskreises von ehemals 25 aktiven Mitgliedern auf deutlich unter 10 Mitgliedern.

Natürlich wird es zu diesem Konzept eine Reihe von Einwendungen geben. Die Verkehrsplanung war schon in der Vergangenheit ein Thema, das mit vielen Emotionen diskutiert wurde. Nicht jeder ist bereit, in die gewachsenen Strukturen, seine bekannte Umgebung und seine Heimat so tief einzugreifen. Es bedarf des partnerschaftlichen Umgangs miteinander, zum Wohle des Einzelnen und der Allgemeinheit. Nur wenn alle profitieren, können wir in Bad Endorf positive Veränderungen gemeinsam erreichen. Die Frage: " Was ist sinnvoller, viele Millionen dafür auszugeben, dass man schneller an Bad Endorf vorbei fahren kann oder Teile dieser Mittel für die Lösung der Probleme bürgernah im Ort zu investieren",  muss bei der Diskussion erlaubt sein und beantwortet werden.

 

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Endorfer Freie Liste e.V. | EFL-Info@endorferfreieliste.de