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Vortrag am 17.6.2010, 20:00 Bauernwirt

Der Weg zur energieneutralen Gemeinde

Wasserburg: Erstellung eines Konzepts zum kommunalen Klimaschutz

Bad Endorf auf dem Weg zur energieneutralen Gemeinde

Die EFL hatte eingeladen. Am 17.6.2010 fand im Rahmen der Vortragsreihe „Bad Endorf auf dem Weg zur energieneutralen Gemeinde“ der zweite Vortrag beim Bauernwirt statt. Thema war diesmal „Erstellung eines Konzepts zum kommunalen Klimaschutz“. Zwei der Protagonisten, Frau Trudel Meier-Staude und Herr Richard Kröff, berichteten über das erfolgreich begonnene Projekt und ihre Erfahrungen, die in unserer Nachbargemeinde Wasserburg gemacht wurden. Erfreulich viele Besucher, auch Gemeinderäte aus allen Fraktionen sind der Einladung gefolgt.

Eine energieneutrale Gemeinde - was ist das, braucht man das überhaupt und ist das möglich?

Wir, von der EFL fordern nicht die energieautarke Gemeinde, die völlig unabhängig von externer Energie ihren eigenen Energiebedarf decken kann. Der Energieverbrauch einer Gemeinde ist nicht konstant über die Tageszeit, die Woche, den Monat oder das Jahr. Ebenso wird die Energieproduktion nicht konstant sein. Es wird Zeiten geben, in denen mehr Energie erzeugt wird als in der Gemeinde verbraucht wird, es wird aber auch Zeiten geben, in denen mehr Energie benötigt wird als gerade produziert wird. Die EFL will die energieneutrale Gemeinde. Eine energieneutrale Gemeinde erzeugt, in der Summe, über das Jahr gesehen mindestens so viel Energie aus regenerativen Quellen wie sie verbraucht. Die Bilanz ist am Ende des Jahres ausgeglichen. Ist so etwas überhaupt nötig? Strom kommt aus der Steckdose, Wärme aus der Heizung und Benzin von der Tankstelle. Oder?

Ulrich Rosinger, EFL Vorstand

Schauen wir dazu in die jüngere Vergangenheit. Die Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko hat in den USA zu einem Umdenken geführt. Präsident Obama hat verkündet „..Die Zeit des billigen Öls neigt sich dem Ende zu.“, „.. Saubere Energie wird zur nationalen Mission“. Selbst die USA, der größte Energieverbraucher des Erdballs, haben endlich die Zeichen der Zeit erkannt. Die Frage des Energieumstiegs - weg vom Öl - stellt sich nicht mehr. Die Tatsachen sind eindeutig, es gibt keine Alternative.

Wo stehen wir heute in Bad Endorf? Bemühen wir dazu die Statistik  (Quelle: Rosolar). Im Jahre 2007 hatten wir in Bad Endorf eine gesamte produzierte Leistung von 721.000kWh. Voller Optimismus haben wir uns damals gesagt 1.000.000 kWh müssten doch möglich sein.

Im Jahre 2009 waren es bereits 1.923.000 kWh, heute haben wir bereits über 2.000.000 kWh (2 MWh) regenerativ erzeugter Energie in Bad Endorf. Rund eine Ver­dreifachung innerhalb von 3 Jahren. Möglich wurde dies durch den kontinuierlichen Neubau von PV-Anlagen. Dies ist ein großer Erfolg für Bad Endorf und für unsere Umwelt. Allerdings nicht weiter ungewöhnlich, die Zahlen im Bundesdurchschnitt sehen ähnlich aus. Endorf produziert damit ca. 20,7% des im Haushalt benötigten Stroms aus regenerativen Quellen selber.

Hätten Sie dies gedacht? Überraschend positive Zahlen. Der Landkreis Rosenheim liegt bei einer Quote von 25,6%. Auch im Vergleich zu unseren Nachbargemeinden stehen wir damit nicht schlecht da. Gibt es doch im Landkreis Rosenheim 8 Gemeinden mit einer Quote bis 25%, 12 Gemeinden mit einer Quote bis 50%, 6 Gemeinde mit einer Quote bis 75% und 16 Gemeinden mit einer Quote von über 100%. Bad Endorf hat hat den Anfang geschafft und ist auf einem guten Weg.

Der Trend zur weiteren Installation von PV-Anlagen ist auch 2010 ungebrochen. Die Zu­wachsraten sind enorm. Von der Bundesnetzagentur werden in der Zwischenzeit Zahlen zum Stromertrag aus PV-Anlagen veröffentlicht. Der sehr sonnenreiche Monat Juli bringt hier erstaunliche Ergebnisse. Während der Mittagszeit werden ca. 7MWh Strom aus PV-Anlagen ins Netz eingespeist. Dies entspricht einem Anteil von 10% am gesamten Stromverbrauch, in diesem Zeitraum, in der Bundesrepublik. Die  Betreiber von Kernkraftwerken können ihren erzeugten Strom nicht mehr absetzen. Dass dies bei der Strom-, Energie- und Atom-Lobby nicht auf Wohlwollen stößt, ist nachvollziehbar. Die richtigen Schritte sind jedoch eingeleitet und zum Glück für uns alle und unsere Umwelt nicht mehr umkehrbar.

Natürlich kennen wir in der Zwischenzeit auch alle die Schreckensszenarien, die wegen solcher Erfolge von der Strom-Lobby aufgebaut werden. Der Strompreis soll steigen, weil die PV-Förderung so teuer ist. Wer hätte das gedacht? Mit Sicherheit keine Überraschung für den interessierten Beobachter. Sind diese Kreise doch äußert kreativ, trotz eigener Milliarden­gewinne, immer wieder regenerative Energien als Begründung für höhere Preise heranzuziehen. Auch dazu gibt es interessante Zahlen, z.B. aus dem Landkreis Mühldorf. der seine Energie­kosten pro Jahr auf 120 Mio. Euro beziffert. Diese 120 Mio. Euro fließen heute im Wesentlichen aus dem Landkreis ab, nach Saudiarabien, zu den Ölkonzernen, zu den Energiekonzernen usw. Diese Entwicklung möchte man stoppen. Die Kaufkraft soll im Landkreis bleiben, entsprechende Projekte sind eingeleitet. Was die Förderung angeht, gibt es auch hier positive Erfahrungen. 1 Euro Förderung zieht 7 Euro Investitionen in der Wirtschaft und im privaten Bereich nach sich. All diese Zahlen stammen vom Regierungspräsidenten von Oberbayern. Unterm Strich lässt sich damit sagen, alternative Energie lohnt sich für die Betroffenen, für das örtliche Gewerbe und für die Gemeinden. Gerade Bad Endorf, in seiner aktuellen finanziellen Lage würde eine Stärkung der heimischen Wirtschaft sehr zu Gute kommen.

Die nächsten Schritte

Damit eine Gemeinde energieneutral werden kann, gibt es nicht die eine Maßnahme, die alleine zum Erfolg führt.

Über allem steht aber die Prämisse 50% des Erfolges kommen aus dem Energiesparen und 50% aus dem Energieerzeugen. Wie Trudel Meier-Staude, vom Projekt 21 ausführte, bedarf es eines ganzen Kataloges von Einzelmaßnahmen, die umgesetzt werden sollten. Am Anfang eines solchen Prozesses erscheint eine Beratung und Moderation sinnvoll, die im Laufe der Zeit immer weiter abnehmen sollte. Richard Kröff vom Wasserburger Energiedalog betont, dass zum Gelingen die Bereitschaft aller - Bürger, Gemeinderäte, Gemeindeverwaltung, örtliche Energielieferanten usw. - zur Zusammenarbeit Grundvoraussetzung ist.

Richard Kröff (Wasserburg), Siegfried Grob (projekt21plus+),

Trudel Meier-Staude (projekt21plus+), Ulrich Rosinger (EFL

Als eine erste Maßnahme wurde aus dem Vorstand der EFL, durch Wolfgang Kirr eine Idee ins Rathaus getragen und dort durch den 2.Bürgermeister, Martin Lauber in Zusammenarbeit mit dem Bauhof schnell umgesetzt. Der Grünschnitt der gemeindlichen Rasenflächen wird nicht mehr auf der Landkreisdeponie für ca. 6,50 euro/m³ entsorgt, sondern der Biogasanlage der Familie Vordermaier in Altersham, Gemeinde Pittenhart kostenlos zugeführt. Der Transportaufwand bleibt konstant, die Entsorgungskosten entfallen. Zusätzlich wird Strom aus regenerativen Quellen erzeugt und ins Netz eingespeist. Ein weiterer Schritt um die Energiebilanz von Bad Endorf aufzubessern, Kosten einzusparen und Positives für die Umwelt zu erreichen.

Als weiterer Schritt ist die Aktivierung des gemeindlichen „Arbeitskreises Ökologie und Umwelt“ geplant. Eine 1.Sitzung des Arbeitskreises ist für den Oktober geplant (genauer Termin folgt). Wir hoffen auf eine rege Teilnahme von Endorfer Bürgern, um weitere Maßnahmen einzuleiten.

Für November ist der Besuch einer energieneutralen Gemeinde im Allgäu geplant. Zu dieser Exkursion dürfen wir Sie schon jetzt recht herzlich einladen. Dort werden durch die Gemeinde die Einzelmaßnahmen, die Umsetzungsstrategie und die Bürgerbeteiligung vorgestellt.

 

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