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9.2009 Martin R. Lauber, 2. Bürgermeister

GWC: Sachstand - Fakten - Ausblick!

Seit nun einem guten Jahr gibt es Berichte und Schlagzeilen unterschiedlichster Qualität zu Spekulationen und Vorgängen in und um die GWC in den Medien. Ausgangslage hierfür waren die Aussagen der Parteien zur Kommunalwahl zur Entflechtung der Gemeinde von der GWC, der Inhalt des Prüfberichtes des Bayrischen Kommunalen Prüfungsverbandes in Bezug zur GWC sowie die wirtschaftliche Lage und das betriebwirtschaftliche Handeln durch Vorstand und Aufsichtsrat in der GWC.

Den handelnden Personen in der GWC und der Marktgemeinde als Mehrheitsaktionär der GWC und 100% Besitzer der Stiftungs GmbH wurde klar, dass Handlungsbedarf und Korrekturen in vielen Bereichen der bestehenden Struktur, des wirtschaftlichen Handelns aber auch für die Zukunftsfähigkeit des GWC- Konzerns notwendig sind.

Und so stellte und stellt sich die Situation in der GWC dar:

Bei der Umstrukturierung (Aufspaltung) der Simsseeklinik GmbH alt in die heutige GWC-AG und Gemeinnützige Simsseeklinik Stiftung waren erhebliche, zu bemängelnde rechtliche Fehler und nicht eindeutig nachvollziehbare Geschäftsvorgänge, sowie nicht vollständige Pacht- und Kostenforderungen durch den Bayerischen kommunalen Prüfungsverband festgestellt worden.

Von dem ca. 70seitigen Prüfungsbericht beschäftigen sich ca. 40 Seiten mit der Geschäftsverbindung Gemeinde - GWC- Stiftung. Die große Mehrheit der Feststellungen des Prüfberichtes hat der Marktgemeinderat in Zusammenarbeit mit der GWC bis heute in Übereinstimmung mit dem Prüfverband abgearbeitet und abgeändert, um die gesetzlichen und kommunalrechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen und damit Schaden von den Betrieben und der Gemeinde fern zu halten, was bis auf wenige Ausnahmen gelungen ist. Einige Punkte haben zu klaren und eindeutigen Pachtzahlungserweiterungen an die GWC geführt (Nachzahlungen, Pachtstundungen und Vorfinanzierungen bei dem Umbau der Therme in einer Größenordnung von ca. 1,03 bis 1,4 Mio. €). Diese Kosten sind von der GWC der Höhe und dem Grunde nach akzeptiert und in einem Pachtvertrag fixiert, jedoch noch nicht unterzeichnet. Die Rechtmäßigkeit der gesamtschuldnerischen Schuldmitübernahme durch die GWC (Vorstand Steßl) für die Darlehen der Stiftung GmbH ist noch ungeklärt.

Die weit häufigsten Prüfungsauflagen waren einfache Änderungen und Zuordnungen, ohne dass substanzieller Schaden für die Gemeinde u. Betriebe entstand.

Z. B. wurde der gesamte Aktienbesitz der früheren Simsseeklinik und Beteiligungs - GmbH zur steuerrechtlichen Absicherung in die gemeinnützige Stiftung GmbH eingestellt. Zukünftig wird die Stiftung nicht nach HGB als kleine Kapitalgesellschaft sondern nach Kommunalrecht als große Kapitalgesellschaft geprüft und vieles mehr. Die Abarbeitung des Prüfberichtes erforderte erheblichen Aufwand für Verwaltung, Bürgermeisterin und Marktgemeinderat und hätte durch sorgfältigere Arbeit der GWC und den früheren Verantwortlichen in der Gemeinde erheblich geringer ausgefallen.

Viel wesentlicher für den Erfolg der GWC – Betriebe und ihrer Zukunft sind die

betriebswirtschaftlichen Entscheidungen der letzten 10 Jahre und die veränderten wirtschaftlichen Voraussetzungen, auch in Bezug zum Mehrheitsaktionär, der Marktgemeinde zu sehen.

Der Aufsichtsrat der Stiftung und der Marktgemeinderat haben durch die Trennung der Geschäftsführung zwischen GWC und Stiftung klare und eindeutige Strukturen zwischen GWC – AG und Gemeinnütziger Stiftungs GmbH geschaffen. Es konnte ein absoluter Fachmann, Herr Rupert Rußwurm, als Geschäftsführer gewonnen werden. Als 100%ige Tochter der Gemeinde ist nun damit gesichert, dass die Interessen der Gemeinde gegenüber der GWC- AG klar geordnet und gewahrt sind.

Die gesetzlichen Voraussetzungen einer Kommune für ein betriebswirtschaftliches Engagement in Betrieben außerhalb der kommunalen Daseinsvorsorge wurden in den letzten Jahren durch den Gesetzgeber eingeschränkt. Das heißt z. B. für das Engagement der Gemeinde als Mehrheitsaktionär bei der GWC, dass zukünftig betriebswirtschaftlich sinnvolle Abrundungen und Ergänzungen außerhalb des Gemeindebereichs durch Zukauf usw. für den GWC - Konzern nicht mehr genehmigungsfähig sind. Des Weiteren haben die vergangenen Jahre bei der GWC eindeutig gezeigt, dass das Know - how und die Kontrolle durch die Kommune und ihre politischen Vertreter, gelinde gesagt, nicht gerade erfolgreich gemanagt wurde. Als Mehrheitsbesitzer genügt es nicht, sich im besten Vertrauen auf das Management (Vorstand und Aufsichtsrat) zu verlassen.

Das haben die vergangenen Jahrzehnte eindeutig bewiesen. So wurde 2002 dem Marktgemeinderat zur Erweiterung und Umbau der Chiemgauthermen eine Machbarkeitsstudie und Wirtschaftlichkeitsberechnung als Grundlage zur Entscheidung vorgelegt, laut Aussage von Management und Vorstand absolut vorsichtig und sicher kalkuliert. Tatsache ist, nach Umbau und Eröffnung der Therme wurden diese Zielvorgaben Jahr für Jahr bis zum heutigen Tag in eklatanter Weise unterschritten. Derselbe Vorstand hat nur wenige Jahre danach zur Begründung der negativen Zahlen in der Therme erläutert, dass eine Therme nicht gewinnbringend geführt werden kann. Dies, obwohl er noch einige Jahre vorher in der Wirtschaftlichkeitsberechnung das Gegenteil bestätigte.

Als Folge der krassen Fehleinschätzung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Therme ergab sich eine Pachtzahlung, die den Zins- und Kapitaldienst leisten muss mit einer Laufzeit von 25 Jahren. Durch weitere Forderungen der Gemeinde an die GWC erhöhte sich der Tilgungszeitraum auf bis zu 28 Jahren. Das solche Tilgungszeiträume betriebswirtschaftlichen Sprengstoff für ein Unternehmen und den Bauherrn darstellen, wird dann klar, wenn man weiß, dass spätestens in 15 Jahren eine weitere Generalsanierung nötig wird, jedoch erst 40 % der Altlasten getilgt sind.

Mittelfristig macht in diesem Bereich ein „Weiterso“ und Schönreden der tatsächlichen wirtschaftlichen Lage, vor allem in der Therme, aber auch in der Simsseeklinik mit ihrer hohen Belastung und einem Investitionsstau im gesamten GWC-Konzern von ca. 8 bis 10 Mill. € zukünftig keinen realistischen wirtschaftlichen Sinn. Die Marktgemeinde kann auf Dauer nicht das notwendige Kapital zur Verbesserung der Betriebe einbringen. Im Übrigen kann dies eine Kommune der Größe von Bad Endorf nicht leisten, und es ist auch nicht die primäre Aufgabe einer Kommune.

Deshalb habe ich mit der EFL, seit Jahren darauf hingewiesen und mich dafür eingesetzt, soweit als möglich die GWC - Betriebe aus kommunalem Besitz in geeigneter Weise an professionelle Betreiber von Kliniken und Thermen abzugeben oder zu beteiligen. Obwohl die Betriebe seit zumindest 2003 immer wieder erhebliche Liquiditätsprobleme aufwiesen, wurden Jahr für Jahr bei der Hauptversammlung ausgeglichene oder positive Geschäftsberichte vorgelegt, wohl wissend, dass überfällige Investitionen und vorzeitige Schuldentilgung aus betriebswirtschaftlicher Sicht als Rückstellungen für Therme und Simsseeklinik vonnöten gewesen wären. Des weiteren hätte der Vorstand die gestundeten Pachtzahlungen und die weiteren Darlehen durch die Marktgemeinde zumindest als Verbindlichkeiten in die Bilanz aufnehmen müssen. Trotz verschlechterten wirtschaftlichen Lage und dem Wissen über die knappe Liquidität der GWC hat der Aufsichtsrat in Abstimmung mit dem Vorstand diesem seine Bezüge und Beteiligungen am Gewinn erhöht. Bei solchen Vorgängen und Sachlage kann man verstehen, dass positive Bilanzen bei der GWC nicht nur aus betriebswirtschaftlichen Gründen gewünscht waren und sind.

In den letzten Wochen trat ein weiterer wichtiger Sachverhalt zutage, der eine weitere nicht unerhebliche Belastung der GWC und der Kommune verursacht. Hierbei handelt es sich um eine Abgabenverkürzung (Hinterziehung) im Bereich der Kanalgebühren in sechsstelliger Höhe, für die der ehemalige Vorstand verantwortlich zeichnet. Das bedeutet, es wurden Abwasserverbrauchszahlen nicht korrekt angegeben. Eine weitere Baustelle für die Gemeinde und vor allem die GWC, die es gilt korrekt zu lösen. Man darf gespannt sein, in welcher Weise insbesondere Aufsichtsrat und Vorsitzender in dieser Sache agieren und entscheiden im Interesse der GWC.

Liebe Bürgerinnen und Bürger, dies sind in aller Kürze die wesentlichen Fakten zu dem Thema GWC.

Nun werden Sie mit Sicherheit verstehen, dass wir als verantwortungsbewusste Kommunalpolitiker und –politikerinnen tätig werden mussten.

Dass die Erarbeitung von Lösungskonzepten und die Weichenstellung für die Zukunft der GWC aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen nicht mehr mit dem früheren Vorstand Herrn Steßl möglich waren, denke ich, erklärt sich von selbst. Für die betriebswirtschaftlichen Fehler und Vorkommnisse in der Vergangenheit bei der GWC hat der frühere Vorstand die Verantwortung zu tragen und zu übernehmen.

Ein Neuanfang ist gemacht mit dem neuen Vorstand Herrn D. Hämel, er übernimmt kein leichtes Amt, und wir wünschen ihm viel Erfolg im Interesse der Mitarbeiter der GWC und der Marktgemeinde Bad Endorf.

Auch Herr Hämel wünscht sich ein 4-Augenprinzip im Vorstand, wie auch die 1. Bürgermeisterin und ihre 2 Stellvertreter übereinstimmend feststellten. Für mich und die EFL ist es klar, auf den Vorstand der GWC kommen schwere Aufgaben und Herausforderungen zu, dazu bedarf es eines kompetenten Vorstandteams.

Die Gemeinde braucht sachkompetente Begleitung durch Fachleute für die möglichen Loslösungskonzepte von der Gemeinde und Zukunftskonzepte für eine erfolgreiche Zukunft der GWC- Betriebe

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