Bad Endorf hat, wie auch viele andere Orte, ein seit Jahren zunehmendes Problem mit Verkehrsstau im Zentrum und speziell am Kirchplatz.
Die ersten extremen Rückstauungen, sogar bis Rimsting, konnten an den ersten Wochenenden nach Inbetriebnahme der Ampelanlage am Kirchplatz beobachtet werden. Verursacher waren hier vor allem Ausflügler aus der näheren und weiteren Umgebung. Ganz anders ist die Situation während der Woche: Aus- und Einparkende Fahrzeuge, in zweiter Reihe parkende Lieferanten, die zweifellos notwendige Fußgängerampel am Rathaus, die aber nicht mit der Kirchplatzampel abgestimmt ist, und besonders die Ampelanlage am Kirchplatz selbst sorgen für die andauernde Stop and Go-Situatiuon. Wer den Verkehr in der Bahnhofstraße genau beobachtet, wird feststellen, dass maximal 1 oder 2 von 10 Fahrzeugen wirklich „durch fahren“, der große Rest bleibt irgendwo im Ort bzw kommt aus Parkplätzen neu dazu.
Wie kann diese Situation verbessert werden?
Wohl eher durch eine Optimierung der Parkplatzanordnung und des Verkehrsflusses am Kirchplatz durch einen Kreisel, als mit einer derzeit finanziell ohnehin utopischen Umgehungsstraße. Sicherlich würde die „weiträumige Umfahrung“ an schönen Sommerwochenenden für ein ruhigeres Ortszentrum sorgen, womöglich zum Leidwesen der Gastronomie, Eisdiele….?! Zugleich wären unsere derzeitigen Naherholungsgebiete zerschnitten, abgeriegelt und beschallt, was unserem Tourismus, aber auch uns Endorfern massiv schaden würde. Und an den Werktagen würde sich im Zentrum nichts ändern: 10 bis 20 % abgeleiteter Fernverkehr wird erfahrungsgemäß schnell durch zusätzlichen Quell- und Zielverkehr ersetzt. Ein weiteres Problem der derzeit diskutierten Umgehungsvariante ist der große Bogen um drei Viertel des Ortes: Am Beispiel Haag sieht man, dass Umfahrungen mit größerem Umweg von Menschen und auch Navigationssystemen schlechter akzeptiert werden. Eine weitere für uns Endorfer unerwünschte „Nebenwirkung“ haben leider fast alle Umgehungsstraßen: Sie ziehen zusätzlichen Fernverkehr in die Region.
Für den Fernverkehr gibt es Autobahnen und Bundesstraßen.
Warten wir doch ab, bis hoffentlich bald die B15 bis zur Autobahn ausgebaut wird. Dann sollte es doch in Bad Endorf ruhiger werden. Wenn wir aber eine neue Rennstrecke zwischen Griesstätt und Bernau zulassen, passiert das Gegenteil. Und was unseren hausgemachten, so genannten Quell- und Zielverkehr anbelangt, sollten wir uns an die eigene Nase fassen: Es gibt genug Dinge, die ebenso gut, wenn nicht sogar besser, mit dem Rad oder zu Fuß zu erledigen sind. Viele Studien belegen, dass Entfernungen bis 2 km in Ortschaften per Rad schneller als mit dem Auto geschafft werden (Stau, Parkplatzsuche, Einparken…). Dazu muss man kein Supersportler sein und es regnet ja auch nicht immer! Geben Sie sich also beim nächsten Semmelnholen einen Ruck und setzen nur 10kg Stahl anstatt 2 Tonnen in Bewegung! Es ist gesünder, billiger, umweltfreundlicher und je nach Trainingszustand auch noch schneller. Wenn viele Mitbürger dies beherzigen, wird sich der innerörtliche Verkehr auf ein erträgliches Volumen reduzieren lassen. Erste Anzeichen für einen Trend zum Fahrrad sind erkennbar! Um den gestiegenen LKW-Verkehr (Maut-Flüchtlinge) wieder auf die Autobahn, besser noch auf die Schiene, zu verlagern, sollten sich unsere Bundes- und Europapolitiker etwas einfallen lassen, z.B. LKW-Maut für jeden gefahrenen km, egal ob auf Autobahn oder Staatsstraße.
Noch einige Gedanken zur Problemlösung am Kirchplatz:
Die bis dato letzte Verkehrsstudie von 2004 ergab an normalen Wochentagen etwa 40% Durchgangsverkehr, was ich aufgrund eigener Beobachtung (vgl. oben!) und Aussagen einiger Befragter, stark bezweifle. So wurden einige Personen nicht nach ihrer Fahrtroute, was sinnvoll wäre, sondern danach gefragt, ob sie eine Umgehungsstraße benutzen würden, wenn es eine gäbe. Leider wurden mir, trotz mehrfacher Bitte, die Originaldaten von der Befragung mit unterschiedlichen Begründungen nicht zugänglich gemacht. Die Studie prognostiziert bei einem leichten Anstieg des Fahrzeugaufkommens einen Kollaps an der Kirchplatzampel, mit kilometerlangen Staus in alle vier Richtungen. Nun gibt es aber zum Glück auch die „geniale Erfindung“ Kreisverkehr, die am Kirchplatz noch eine Steigerung um 70% gegenüber heute erlauben würde (Simulation von Herrn Krempl). Von 1990 bis heute hatten wir eine Zunahme um30%, in Anbetracht explodierender Spritpreise wird es nicht so weiter gehen (1 Barrel Rohöl stieg allein letztes Jahr von 50 auf 100 Dollar !). Warum also wird nicht mit Hochdruck an der Kreisel-Lösung gearbeitet? Will man den Leidensdruck auf die Bürger noch erhöhen, damit die Akzeptanz für die Umgehungsstraße besser wird? Dabei hat der Kreisel nichts mit einer irgendwann vielleicht zu bauenden Umgehung zu tun. Der Kreisverkehr ist sofort mit wenig Mitteln umsetzbar. Wenn zugleich die Traunsteinerstraße Vorfahrt vor der Bahnhofstraße erhält, kann es den befürchteten Rückstau in den Kreisel hinein nicht geben. Die häufig wechselnden Verkehrsströme aus den vier Richtungen kann ein Kreisel wesentlich besser regeln als jede Ampel.
Diese Argumentation zur Verkehrssituation in Bad Endorf ist keinesfalls vollständig, sie soll lediglich eine Ergänzung zum Wahl-Flugblatt „Verkehr“ der EFL sein und zur Diskussion anregen. Zum persönlichen Gedankenaustausch stehen wir gern zur Verfügung.
Ihr Dr. Sepp Meder