Da man wohl erkannt hat, daß die Landwirte nicht
bereit sind ihre wertvollen Wiesen- und Ackerflächen zu verkaufen
(Existenzsicherung!), ist jetzt eine modifizierte Variante in der Diskussion,
welche überwiegend durch Bachtäler und feuchte, vermeintlich "wertlose" Flächen
verlaufen soll. Die ohnehin enorme Naturzerstörung würde sich damit nochmals
deutlich steigern, was weder Naturschützer und besorgte Bürger noch die
Landwirte hinnehmen könnten ( vgl. Leserbrief im OVB vom 1.12.05 ! ).Mit der
Zerstörung unserer Naherholungsgebiete provoziert man ungewollt zusätzlichen
Autoverkehr von Erholungssuchenden, was nicht gerade förderlich für einen Kurort
wäre.
Bei genauerem Hinsehen ist die ganze Aufregung und
Planerei sowieso überflüssig: Weder Staat noch Kommunen haben in absehbarer Zeit
Geld für dieses Projekt, das in der Rangfolge der Dringlichkeit weit hinten
angesiedelt ist. Solange wir die bestehenden Straßen nicht unterhalten und
sanieren können, sollten wir nicht an Neubau denken. Doch solange die Hoffnung
auf einen baldigen Umgehungsstraßenbau geschürt wird, werden innerorts keinerlei
Maßnahmen zur Reduzierung der Verkehrsprobleme angepackt, ja nicht einmal
darüber nachgedacht. Die Aussage des Arbeitskreises "Infrastruktur und
Ortsentwicklung", "mit der großen Umgehungsstraße wären innerorts alle
Verkehrsprobleme gelöst", kann bei unserem enormen Quell- und Zielverkehr nicht
ernst genommen werden! Eine kürzlich in Prien durchgeführte Verkehrsstudie
unterstützt unsere Zweifel an dieser These. Auch die Prognose eines völligen
"Verkehrskollapses" in Bad Endorf in wenigen Jahren können wir nicht
nachvollziehen, zumal nicht einmal den Gemeinderäten Einblick in die Daten von
der Verkehrszählung im Juni 05 gewährt wird. Da man damit rechnen kann, daß
demnächst die B15 bei Rosenheim ausgebaut wird, wäre es purer Wahnsinn, sich
eine zusätzliche, neue Bundesstraße von Griesstätt bis Bernau durch unsere
schöne Gegend zu wünschen, geschweige denn zu bauen ! Das würde zusätzlichen
Fernverkehr anziehen und wäre ein schwerer Schlag gegen den Tourismus in der
Region. Die beiden bestehenden Bundesstraßen - von Wasserburg über Obing nach
Traunstein/Salzburg und die B15 bis zur A8/Inntaldreieck - sollten wirklich
ausreichen, zumal bei weiter steigenden Spritpreisen die Reiselust vieler
Menschen bald nachlassen oder sich auf Bahn oder Bus verlagern
wird.
Zweifellos ist der intensive Straßenverkehr auf der
Rosenheimer- , Wasserburger- oder auch Traunsteinerstr. für die dort Wohnenden
eine Belastung. Aber ganz ehrlich : Wer hier in den letzten 30 oder 40 Jahren
gebaut hat, hat an einer Hauptverkehrsstraße gebaut. Und auch damals rechneten
alle Experten mit wachsendem Auto- und Schwerlastverkehr. Deshalb finden wir es
nicht angebracht, einen gewissen Prozentsatz der Belastung nach dem
Floriansprinzip durch bisher nahezu unberührte und ruhige Fleckchen Erde zu
leiten und mit Lärm zu beschallen, ohne eine wirklich
spürbare Entlastung in den derzeit betroffenen Straßen zu erreichen!
Hier könnten gezielte Lärmschutzmaßnahmen in kurzer Zeit mehr Entlastung
bewirken als die Umleitung des Durchgangsverkehrs.
Daher nochmals die Forderung der EFL: Sofort mit
Einzelmaßnahmen, z.B. Kreisel am Kirchplatz, Erleichterung des Fahrradverkehrs
oder Verbesserung der Parkmöglichkeiten beginnen und weiterhin eine Entlastung
der Bahnhofstraße durch eine überwiegend oberirdisch verlaufende (daher gut
realisierbare !) Trasse parallel zur Bahn anpeilen!
Wir hoffen auf eine vernünftige Entwicklung die
möglichst allen Mitbürgern nützt. Allen Lesern wünschen wir ein gutes Jahr 2006
!