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01.2006 Sepp Meder, Gemeinderat der Endorfer Freien Liste

Umgehungsstraße: Wunschtraum oder Albtraum ?

Nach der Trassenbegehung für die "geplante" Umgehungsstraße um Bad Endorf  im November ( s. Graphik ) und dem Zeitungsbericht darüber, ist es für uns von der Endorfer Freien Liste geboten, zum wiederholten Mal Stellung zu dem Thema zu beziehen.


Da man wohl erkannt hat, daß die Landwirte nicht bereit sind ihre wertvollen Wiesen- und Ackerflächen zu verkaufen (Existenzsicherung!), ist jetzt eine modifizierte Variante in der Diskussion, welche überwiegend durch Bachtäler und feuchte, vermeintlich "wertlose" Flächen verlaufen soll. Die ohnehin enorme Naturzerstörung würde sich damit nochmals deutlich steigern, was weder Naturschützer und besorgte Bürger noch die Landwirte hinnehmen könnten ( vgl. Leserbrief im OVB vom 1.12.05 ! ).Mit der Zerstörung unserer Naherholungsgebiete provoziert man ungewollt zusätzlichen Autoverkehr von Erholungssuchenden, was nicht gerade förderlich für einen Kurort wäre.

Bei genauerem Hinsehen ist die ganze Aufregung und Planerei sowieso überflüssig: Weder Staat noch Kommunen haben in absehbarer Zeit Geld für dieses Projekt, das in der Rangfolge der Dringlichkeit weit hinten angesiedelt ist. Solange wir die bestehenden Straßen nicht unterhalten und sanieren können, sollten wir nicht an Neubau denken. Doch solange die Hoffnung auf einen baldigen Umgehungsstraßenbau geschürt wird, werden innerorts keinerlei Maßnahmen zur Reduzierung der Verkehrsprobleme angepackt, ja nicht einmal darüber nachgedacht. Die Aussage des Arbeitskreises "Infrastruktur und Ortsentwicklung", "mit der großen Umgehungsstraße wären innerorts alle Verkehrsprobleme gelöst", kann bei unserem enormen Quell- und Zielverkehr nicht ernst genommen werden! Eine kürzlich in Prien durchgeführte Verkehrsstudie unterstützt unsere Zweifel an dieser These. Auch die Prognose eines völligen "Verkehrskollapses" in Bad Endorf in wenigen Jahren können wir nicht nachvollziehen, zumal nicht einmal den Gemeinderäten Einblick in die Daten von der Verkehrszählung im Juni 05 gewährt wird.    Da man damit rechnen kann, daß demnächst die B15 bei Rosenheim ausgebaut wird, wäre es purer Wahnsinn, sich eine zusätzliche, neue Bundesstraße von Griesstätt bis Bernau durch unsere schöne Gegend zu wünschen, geschweige denn zu bauen ! Das würde zusätzlichen Fernverkehr anziehen und wäre ein schwerer Schlag gegen den Tourismus in der Region. Die beiden bestehenden Bundesstraßen - von Wasserburg über Obing nach Traunstein/Salzburg und die B15 bis zur A8/Inntaldreieck - sollten wirklich ausreichen, zumal bei weiter steigenden Spritpreisen die Reiselust vieler Menschen bald nachlassen oder sich auf Bahn oder Bus verlagern wird.
Zweifellos ist der intensive Straßenverkehr auf der Rosenheimer- , Wasserburger- oder auch Traunsteinerstr. für die dort Wohnenden eine Belastung. Aber ganz ehrlich : Wer hier in den letzten 30 oder 40 Jahren gebaut hat, hat an einer Hauptverkehrsstraße gebaut. Und auch damals rechneten alle Experten mit wachsendem Auto- und Schwerlastverkehr. Deshalb finden wir es nicht angebracht, einen gewissen Prozentsatz der Belastung nach dem Floriansprinzip durch bisher nahezu unberührte und ruhige Fleckchen Erde zu leiten und mit Lärm zu beschallen, ohne eine wirklich spürbare Entlastung in den derzeit betroffenen Straßen zu erreichen! Hier könnten gezielte Lärmschutzmaßnahmen in kurzer Zeit mehr Entlastung bewirken als die Umleitung des Durchgangsverkehrs.
Daher nochmals die Forderung der EFL: Sofort mit Einzelmaßnahmen, z.B. Kreisel am Kirchplatz, Erleichterung des Fahrradverkehrs oder Verbesserung der Parkmöglichkeiten beginnen und weiterhin eine Entlastung der Bahnhofstraße durch eine überwiegend oberirdisch verlaufende (daher gut realisierbare !) Trasse parallel zur Bahn anpeilen!
Wir hoffen auf eine vernünftige Entwicklung die möglichst allen Mitbürgern nützt. Allen Lesern wünschen wir ein gutes Jahr 2006 !
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Endorfer Freie Liste e.V. | EFL-Info@endorferfreieliste.de