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01.2006 Martin R. Lauber, Fraktionsvorsitzender der Endorfer Freien Liste

Der Haushalt - der Spiegel  der Kommunalpolitik!

Nach den fetten Jahren mit immer weiter ansteigenden Haushaltseinnahmen der Kommunen in den 70ziger, 80ziger bis Mitte der 90ziger Jahren, stagnieren die Haushalte, oder besser gesagt, die Ausgaben sind höher  als die Einnahmen, so auch in Bad Endorf. Seit Jahren leben viele Kommunen über ihre Verhältnisse. Die Folge ist eine immer höhere Kreditaufnahme und Verschuldung der Gemeinden, so geschehen auch bei den Gemeindefinanzen in Bad Endorf.

Der aktuelle Stand der Gemeindefinanzen stellt sich folgendermaßen dar:

Gesamtschuldenstand ca. 22 Mio. Euro, davon ca.8 Mio. Euro sogenannte rentierliche Schulden (Investitionen Kurmittelhauserweiterung) und ca. 14 Mio. Euro unrentierliche Schulden. Dies ergibt eine Pro-Kopf-Gesamtverschuldung  der Marktgemeinde von ca. 2750 Euro. Die Pro-Kopf-Verschuldung  der unrentierlichen Schulden beträgt ca. 1750 Euro.
Die Pro-Kopf-Verschuldung der Gemeinden in Bayern beträgt im Landesdurchschnitt ca. 750 Euro.
 
Dies bedeutet für die Marktgemeinde Bad Endorf eine 2000 Euro (ca. 366%) höhere Verschuldung als die der Gemeinden im Landesdurchschnitt.

Allein die oben aufgeführten Daten und Fakten lassen unschwer darauf schließen, dass die Marktgemeinde derzeit in einer äußerst angespannten Finanzlage ist. Folgende Zahlen und Fakten des Gemeindehaushaltes belegen dies endgültig. Seit  Jahren konnten im Gemeindehaushalt die Abschreibungen (Wertminderung durch Abnutzung für den  gesamten Gemeindebesitz ist nicht im Haushalt erfasst) nicht mehr erwirtschaftet werden, was sich deutlich daran zeigt, dass für die notwendige Ersatzbeschaffung und Sanierung des Gemeindebesitzes nicht mehr in ausreichendem Maße die Mittel zur Verfügung stehen. Ein eindeutiger Beweis hierfür ist das Nichterreichen (Erwirtschaften) der gesetzlichen Mindestzuführung von Finanzmitteln zum Vermögenshaushalt ab dem Haushaltsjahr 2003. Diese nüchternen Zahlen heißen nichts anderes, als dass die Kommune  von der Substanz lebt und auf Pump! Freie Finanzverfügungsmaße gibt es im Endorfer Haushalt nicht mehr, alle neuen Maßnahmen können nur noch durch Umschichtungen im Haushalt oder durch Neukreditaufnahme = Neuverschuldung erfolgen. Für neue Kreditaufnahmen in der Zukunft ist durch die vorhandene Wirtschaftskraft der Gemeinde und die Verschuldung die verkraftbare Obergrenze erreicht und eine Genehmigung neuer Kredite durch die Prüfungsbehörde (Kommunalaufsicht) immer schwieriger, um nicht zu sagen, wenig realistisch.

Bei dem jetzt, man muß es ehrlicherweise sagen, nicht unverschuldet eingetretenen, gelinde gesagt, überhitzten Zustand des Gemeindehaushalts ist es, realistisch gesehen, vorbei mit dem bis dato von der Mehrheit des Marktgemeinderates verordneten Weg  „weiter so, zusammenhalten und durch“. Das Ergebnis liegt nun vor: „Ein Sanierungsfall“.  Langjährige Warnungen und Interventionen meinerseits und einiger Marktgemeinderatskollegen aus allen Fraktionen wurden missachtet. Ebenso die eindringlichen und vorsorglichen Warnungen des Kämmerers Herrn Eder in Gemeinderats– und Ausschusssitzungen, dass ein „weiter so“ in der Finanz- u. Kommunalpolitik haushalterisch nicht durchzustehen ist. Alle wohlgemeinten Warnungen scheiterten an der Mehrheit des Marktgemeinderates, dem Bürgermeister Hofstetter und seiner Stellvertreterin Frau Scharold. Immer neue, nicht durchgeplante und nicht durchfinanzierte Wunschprojekte, wie Kauf des Furtnerhofes, „Neue Mitte“ (Obermaier und Raiffeisengrundstücke), Kauf  „Haus des Gastes“, weitere Umgehungsstraßen-, Fremdenverkehrs- und Ortsentwicklungsstudien etc. wurden auf den Haushalt aufgesattelt. Obwohl man schon wusste, dass durch die notwendige Erweiterung und Sanierung  des Kurmittelhauses/Therme und Kurpark, entgegen aller Hoffnungen,  erhebliche Mehrbelastungen auf den Haushalt zukommen. Die laufenden, wirklichen Pflichtaufgaben der Gemeinde wurden seit Jahren gestreckt u. verschoben, auf Grund nicht vorhandener Finanzmittel. Der seit 4 Jahren längst notwendige und gesetzlich vorgeschriebene Neubau des Feuerwehrhauses in Antwort ist nur ein Beispiel hierfür, und es könnte eine Liste folgen.

Ich denke, was die Haushaltslage und den tatsächlichen Zustand der Gemeinde anbetrifft, dürften hiermit erstmals mehr Fakten über den tatsächlichen Sachstand Bad Endorf aufgezeigt  als Sie, verehrter Leser, aus den seit Jahren spärlichen „Hofberichterstattungen“ aus dem Marktgemeinderat in der vorhandenen Medienlandschaft entnehmen konnten. Es ist fünf vor 12 oder gar 12! Aber wenn  die Verantwortlichen in der Gemeinde und auch in den gemeindeeigenen Betrieben der Chiemgau Gesundheitswelt, jeder in seinem Bereich, gemeinsam, verantwortungsvoll, sach- und kostenorientiert und wirklich langfristig durchgeplant, trotz allem kreativ, die wirklich notwendigen Arbeiten in der Gemeinde angehen und Wunschträume/Projekte in realistische Bahnen lenken, wird es gelingen, in 4-10 Jahren den Haushalt wieder einigermaßen zu sanieren und trotzdem die notwendigen und dringenden Innovationen für den gesamten Ort Bad Endorf voran zubringen. Dies ist möglich! Auch ohne weitere Abgabenerhöhungen, die schon wieder durch die Köpfe geistern. Schmerzhaft wird die Sanierung des Haushaltes  allemal. Schaffen wir wirklich realistische Grundlagen zu mehr Wertschöpfung für Bad Endorf. Wer nur die große Politik für den jetzigen Zustand verantwortlich macht, wie die letzten Jahre gerne vermittelt, macht es sich leicht  und irrt. Schauen wir in die erfolgreichen Kommunen unseres Landkreises z.B. Wasserburg, Rohrdorf, Gstadt, Feldkirchen-Westerham etc. Das sind die besten Beispiele, dass es auch anders geht. Für das Ziel, erfolgreiche Kommunalpolitik für Bad Endorf, soll dieser Artikel Beitrag Anstoß und Information sein.

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